NZZ-KMU-Barometer 2026: Operativ stark, strategisch verwundbar.

Laura RzoskaLaura Rzoska7. Juli 20266 Min. Lesezeit

Die Studie

Das NZZ-KMU-Barometer erscheint jährlich und befragt Schweizer KMU-Entscheider zu Geschäftslage, Investitionsbereitschaft und strategischen Herausforderungen. Die Ausgabe 2026 basiert auf 495 Teilnehmenden und zeichnet ein zweigeteiltes Bild.

Der Gesamtindex fällt auf minus 7.3 Punkte, den tiefsten Stand seit Beginn der Erhebung 2021. Die Stimmung ist pessimistischer als während der Pandemie. Trotzdem stufen sich 55% der Befragten als eher bis sehr resilient ein. Das Ergebnis: operativ handlungsfähig, strategisch verwundbar.

Team analysiert Geschäftsgrafiken an einem Whiteboard im Büro

Operativ läuft es

Im operativen Bereich beurteilt sich eine Mehrheit der Befragten als handlungsfähig und krisenfest. Mehr als die Hälfte stuft die eigene Resilienz als hoch ein.

Der Fachkräftemangel hat sich etwas entspannt. Nur noch 11% der Befragten nennen ihn als Hauptsorge, ein deutlicher Rückgang gegenüber 17% im Vorjahr. Eine mögliche Erklärung: 49% der Befragten sehen KI als wichtigstes strategisches Thema. Einige Unternehmen setzen darauf, Engpässe beim Personal zumindest teilweise mit Technologie zu kompensieren.

Die Personalsituation wird erstmals seit Beginn der Erhebung weniger angespannt eingeschätzt. Das entlastet den Alltag, löst aber die strukturellen Probleme nicht.

Strategisch fehlt es

Ein unerwarteter Umsatzrückgang wäre für knapp ein Fünftel der Unternehmen kaum zu bewältigen oder existenzbedrohend. Weniger als ein Drittel sieht sich in der Lage, das eigene Geschäftsmodell innerhalb von sechs Monaten grundlegend anzupassen. Auch die Diversifikation bei Lieferanten und Kunden bleibt für die Mehrheit ungelöst.

Parallel dazu zeigt die FHNW-Studie zur digitalen Transformation: 50% der Schweizer KMU haben keine dokumentierte Digitalstrategie. 44% sind mit dem eigenen Fortschritt unzufrieden. Der strategische Rückstand zeigt sich nicht in der Auslastung, sondern in der Anpassungsfähigkeit.

Die grössten Sorgen der Befragten: geopolitische Unsicherheit (25%), die US-Handelspolitik, bewaffnete Konflikte und das unklare Verhältnis Schweiz-EU. Die Rahmenbedingungen am Wirtschaftsstandort werden als zunehmend belastend empfunden.

Digitalisierung als Schwachstelle

Ein Lichtblick: die Einbindung moderner Technologien. In diesem Bereich sehen die Unternehmen grossmehrheitlich eine Verbesserung. 49% nennen KI als wichtigstes strategisches Thema, doppelt so viele wie im Vorjahr (25%). Digitalisierung insgesamt nennen 19%.

Die Kehrseite: Technologie wird erkannt, aber selten systematisch umgesetzt. Viele KMU experimentieren, wenige integrieren. Kundendaten liegen in Excel, in E-Mail-Postfächern, im Kopf des Aussendienstmitarbeiters. Eine zentrale Plattform löst dieses Problem. Wenn er geht, gehen die Beziehungen mit.

Das Problem ist nicht fehlendes Bewusstsein. Es ist die Lücke zwischen Erkenntnis und Umsetzung. Regulierungsdichte, Unsicherheit bei Lieferketten und die Währungssituation binden Kapazitäten, die für den strategischen Umbau fehlen.

Was sich 2026 ändert

Zwei Entwicklungen machen die strategische Lücke dringend. Erstens: KI-basierte Suchsysteme verschieben die Art, wie Kunden Anbieter finden. Wer digital nicht sichtbar ist, verliert Anfragen an Konkurrenten, die sichtbar sind. Die Verdoppelung der KI-Nennungen im Barometer (von 25% auf 49%) zeigt, dass KMU diese Verschiebung registrieren.

Zweitens: der Generationenwechsel in KMU-Führungsetagen. Jüngere Entscheider erwarten digitale Prozesse. Sie wollen keine Excel-Tabellen pflegen. Sie wollen Systeme, die funktionieren.

Die Studie zeigt auch: Unternehmen, die proaktiv mit KI und Digitalisierung umgehen, stufen ihre eigene Resilienz deutlich höher ein. Der strategische Umbau ist kein Luxus. Er ist eine Voraussetzung, um handlungsfähig zu bleiben.

Projekt besprechen?Gespräch vereinbaren